Ein Jahrhundert nach der Entdeckung dieser rätselhaften Spezies gelang das Unmögliche
Wissenschaftler des Schmidt Ocean Institute haben maritime Geschichte geschrieben. In einer Tiefe von 600 Metern konnten sie erstmals einen lebenden jungen Koloss-Kalmar (Mesonychoteuthis hamiltoni) auf Video festhalten. Das winzige Exemplar maß gerade einmal 30 Zentimeter.
Ein Moment von außergewöhnlicher Bedeutung für die Meeresforschung. Dr. Kat Bolstad von der Auckland University of Technology, die das Bildmaterial authentifizierte, zeigte sich tief bewegt: „Es ist überwältigend, zum ersten Mal einen jungen Koloss in seinem natürlichen Lebensraum zu beobachten. Demütig macht der Gedanke, dass diese Kreatur keine Ahnung von unserer Existenz hat.“
Jahrzehntelang kannten Forscher diese Tiere nur als Überreste. „Wir fanden sie hauptsächlich als Beutereste in Mägen von Walen und Seevögeln oder als Jäger von kommerziell gefangenem Schwarzen Seehecht“, erklärt die Forscherin. Lebendaufnahmen dieser Art galten bis zu diesem Durchbruch als unmöglich.
Seit der Erstbeschreibung im Jahr 1925 mussten fast hundert Jahre vergehen, bis wir diesem geheimnisvollen Geschöpf näher kommen konnten. Wissenschaftler vermuten, dass der Koloss-Kalmar die größten Augen aller Lebewesen auf unserem Planeten besitzt.
Das Naturkundemuseum Neuseelands hebt eine bemerkenswerte Eigenschaft hervor: „Der Koloss-Kalmar verfügt über außergewöhnliche drehbare Haken an den kolbenförmigen Enden seiner Tentakel.“ Die Arme unterscheiden sich deutlich von den Tentakeln durch zahlreichere und größere Saugnäpfe sowie nicht-drehbare Haken.
Die spektakuläre Aufnahme entstand während einer Forschungsexpedition nahe den südlichen Sandwich-Inseln im Südatlantik. Nur wenige Monate zuvor gelang demselben Team bereits ein historischer Erfolg mit der Erstaufnahme eines lebenden Gletscherglas-Kalmars in freier Wildbahn.
„Zwei verschiedene Kalmararten bei aufeinanderfolgenden Expeditionen zum ersten Mal zu sichten ist außergewöhnlich“, betont Dr. Jyotika Virmani, Geschäftsführerin des Schmidt Ocean Institute. „Dies zeigt eindrucksvoll, wie wenig wir über die faszinierenden Bewohner des antarktischen Ozeans wissen.“
Die Forschungsleiterin hebt die technische Meisterleistung hervor: „Glücklicherweise gelang es uns, hochauflösende Aufnahmen dieser Kreaturen zu machen, sodass internationale Experten an Land beide Arten zweifelsfrei identifizieren konnten.“ Für sie sind solche Momente ein eindringlicher Beweis dafür, dass unsere Ozeane noch voller ungelöster Geheimnisse stecken.
Faszinierende Fakten über den größten Weichtier-Giganten
Als größtes entdecktes Weichtier der Weltmeere übertrifft er sogar seinen berühmten Verwandten, den Riesenkalmar. Er gehört zu den voluminösesten wirbellosen Tieren überhaupt und beeindruckt durch außergewöhnliche Merkmale:
- Seine Tentakel können nachwachsen und sich regenerieren.
- Die Tentakel sind mit zahnartigen Strukturen ausgestattet.
- Ein ausgewachsenes Tier kann ein Gewicht von bis zu 500 Kilogramm erreichen.
- Seine Augen sind die größten im gesamten Tierreich – vergleichbar mit einem Fußball.
- Das Fortpflanzungsorgan erreicht beeindruckende Dimensionen von nahezu einem Meter Länge.
- Statt eines Mundes besitzt er eine Radula, ähnlich wie Kraken oder Schnecken.
- Die legendäre Kraken-Mythologie basiert auf diesem beeindruckenden Geschöpf.
- Wissenschaftler fanden Hinweise auf kannibalisches Verhalten innerhalb der Art.
Zwischen Koloss-Kalmar und Riesenkalmar bestehen markante Unterschiede. Neben der Körpergröße unterscheiden sie sich vor allem durch ihren bevorzugten Lebensraum. Während der erste in eiskalten Gewässern heimisch ist, bevorzugt der zweite gemäßigte Temperaturen. Ein weiterer wichtiger Unterschied: Der Riesenkalmar ist wegen seiner hohen Ammoniakkonzentration für den menschlichen Verzehr ungeeignet.










